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    <title>Schuldenbremse: unwirksam mangels persönlicher Haftung</title>
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              Autor:&amp;nbsp;&lt;/div&gt;
                    &lt;a href=&quot;/blog/autor/dr-michael-von-prollius&quot;&gt;Dr. Michael von Prollius&lt;/a&gt;        &lt;/div&gt;
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                    &lt;a href=&quot;/deutsche-politik/kommentare/schuldenbremse-unwirksam-mangels-pers%C3%B6nlicher-haftung&quot; class=&quot;imagecache imagecache-page-content imagecache-linked imagecache-page-content_linked&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://www.berlinmanhattan.org/sites/default/files/imagecache/page-content/commentary/Prollius_0.jpg&quot; alt=&quot;&quot; title=&quot;&quot;  class=&quot;imagecache imagecache-page-content&quot; width=&quot;90&quot; height=&quot;90&quot; /&gt;&lt;/a&gt;        &lt;/div&gt;
        &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;
	Ohne Sanktionsmechanismen, die Abgeordnete pers&amp;ouml;nlich treffen, wird die Schuldenbremse unwirksam bleiben. Politiker haben die Verantwortung f&amp;uuml;r die Entwicklung von Gesellschaft und Wirtschaft an sich gezogen. Folglich sollten Sie wie andere Menschen auch f&amp;uuml;r die Konsequenzen ihres Handeln haften.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	Eine wirksame Schuldenbremse ist von gro&amp;szlig;er Bedeutung, um der Dauerschuldnerei ein Ende zu bereiten. Die aktuelle Weltwirtschaftskrise ist wie die EU-Krise prim&amp;auml;r eine Schuldenkrise. Der angesehenen Bank f&amp;uuml;r Internationalen Zahlungsausgleich zufolge ist ein Ausweg aus der selbst gestellten Schuldenfalle f&amp;uuml;r viele westliche L&amp;auml;nder bereits jetzt nur noch mit schmerzhaften Anstrengungen m&amp;ouml;glich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	Deutschland ben&amp;ouml;tigt also im Grunde keine Bremse f&amp;uuml;r noch mehr Schulden, sondern einen Schuldenabbau. Insofern kann eine wirksame Schuldenbremse lediglich ein erster Schritt in diese Richtung sein. Wirksame Sanktionen setzen an der Person des Entscheidungstr&amp;auml;gers an; Anreize wirken sich auf das Portemonnaie aus, etwa in Form von Einkommenseinbu&amp;szlig;en, oder auf die politische Karriere, beispielsweise durch ein (zeitweises) Wiederwahlverbot von Abgeordneten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;strong&gt;Bisher: Verantwortungslose Schuldenmacherei&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	Die Geschichte der bundesdeutschen Finanzpolitik ist eine Geschichte ungebremster Staatsverschuldung. Besonders seit den siebziger Jahren hat jeder Finanzminister den unr&amp;uuml;hmlichen Rekord seines Vorg&amp;auml;ngers &amp;uuml;bertroffen. F&amp;uuml;r die Begrenzung, geschweige denn den Abbau der &amp;uuml;berbordenden Staatsverschuldung hat hingegen bisher keine Partei eine geeignete Antwort gefunden. Das gilt umso mehr als es sich um ein Ausgaben- und nicht um ein Einnahmeproblem handelt, das strukturell bei der Politik liegt. Mehr als 1,7 Billionen Euro oder rund 22.000 Euro pro Kopf der Bev&amp;ouml;lkerung (vom S&amp;auml;ugling bis zum Greis) betragen die Regierungsschulden. Jeder neunte Euro der Steuern muss inzwischen allein f&amp;uuml;r Zinszahlungen verwendet werden. Ludwig Erhard brachte es auf den Punkt: &amp;bdquo;Jede Ausgabe des Staates beruht auf einem Verzicht des Volkes.&amp;ldquo;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	Was kennzeichnet den Umgang von Politikern mit anderer Leute Geld? Im Mittelpunkt steht die Ausrichtung auf Sonderinteressengruppen durch Subventionen, Steuerverg&amp;uuml;nstigungen und Staatsauftr&amp;auml;ge statt gleiches Recht f&amp;uuml;r alle gelten zu lassen. Hinzu kommt ein kurzfristiger, auf Wiederwahlzeitr&amp;auml;ume beschr&amp;auml;nkter Horizont. Gerhard Stoltenberg als Finanzminister kann als ein Beispiel zeigen wie viele Anstrengungen erforderlich sind, um eine auch nur halbwegs vernunftgeleitete Finanzpolitik zu praktizieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	Kein Haushalt und kein Unternehmen k&amp;ouml;nnte in vergleichbarer Weise bestehen. Nur Regierungen erhalten &amp;uuml;ber weite Strecken unbegrenzten Kredit, weil sie &amp;uuml;ber das Monopol zur Besteuerung verf&amp;uuml;gen &amp;ndash; und &amp;uuml;ber das Geldangebotsmonopol. Verantwortungslose Schuldenmacherei bleibt daher lange scheinbar folgenlos.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;strong&gt;Staatsschulden sind schlecht&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	Die Forderung, Politikern die M&amp;ouml;glichkeit zu entziehen, lebende und ungeborene Steuerzahler durch immer weitere Schulden zu belasten, ist in erster Linie notwendig, weil die Regierungen ihr Privileg im Lauf der Geschichte st&amp;auml;ndig und grob missbraucht haben. Die Folge sind Wirtschaftskrisen, (soziale) Konflikte und eine Ausweitung staatlichen Handelns zu Lasten der B&amp;uuml;rger. Dass die Politik der Dauerschuldnerei nicht dauerhaft durchf&amp;uuml;hrbar ist, zeigt die aktuelle Weltwirtschaftskrise. Kreditgeber sind nicht mehr voraussetzungslos bereit, der Schuldenmacherei unverantwortlich handelnder Regierungen Kredit zu gew&amp;auml;hren. Griechenland bildete den Auftakt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	Staatsschulden sind schlecht. Sie beruhen auf der Fiktion, dass jedermann auf Kosten von jedermann leben kann. Sie befl&amp;uuml;geln den Mythos, der Staat k&amp;ouml;nne G&amp;uuml;ter besser bereit stellen, insbesondere bei den Sozialsystemen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	Sparen ist eine Tugend. Investitionen sind ohne Sparen nicht (dauerhaft) m&amp;ouml;glich.Kredite, die nicht auf Sparen der Produktion f&amp;uuml;r sp&amp;auml;teren Konsum beruhen, werden fr&amp;uuml;her oder sp&amp;auml;ter als Schwindel&amp;nbsp; aufgedeckt. In der Weltwirtschaft wurde das sp&amp;auml;testens seit August 2007 deutlich: Die Illusion der praktizierten Geld- und Kreditsch&amp;ouml;pfung aus dem Nichts, die den privaten und staatlichen Konsum auf Pump n&amp;auml;hrte, lie&amp;szlig; sich nicht l&amp;auml;nger aufrecht erhalten und platzte&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	Echter Wohlstand setzt voraus, jemandem einen Nutzen zu stiften. Das bedeutet echte, Werte schaffende Aktivit&amp;auml;ten und nicht Aktienkurse treibende Papiergeldillusionen. Sparen ist die Voraussetzung f&amp;uuml;r Kapitalbildung, Kapital die Voraussetzung f&amp;uuml;r Investitionen. Investitionen schaffen Wohlstand.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;strong&gt;K&amp;uuml;nftig: Kaum gebremste Verschuldung&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	Die gute Nachricht zuerst: Die Regierungen der Bundesl&amp;auml;nder d&amp;uuml;rfen nach der verfassungsrechtlichen Regelung ab 2020 keine Schulden mehr aufnehmen. Nun die schlechte Nachricht: Die Bundesregierungen d&amp;uuml;rfen ab sp&amp;auml;testens 2016 immer noch Schulden in H&amp;ouml;he von 0,35% des BIP machen &amp;ndash; das sind derzeit 8,7 Mrd. Euro j&amp;auml;hrlich. Zudem hat die sogenannte Schuldenbremse zahlreiche Sollbruchstellen, nachfolgend zwei Beispiele.&lt;/p&gt;
&lt;ol&gt;
&lt;li&gt;
		&amp;bdquo;Avanti Dilettanti&amp;ldquo;: F&amp;uuml;r Konjunkturpolitik k&amp;ouml;nnen immer noch bis zu 1,5 Prozent des BIP Schulden gemacht werden. Der vorgeschriebene Schuldenabbau im erhofften nachfolgenden Aufschwung hat noch nie funktioniert. Das ist umso trauriger als Konjunkturpolitik schon bei ihrem ersten Einsatz in der Minirezession von 1966/67 und auch anschlie&amp;szlig;end regelm&amp;auml;&amp;szlig;ig versagt hat. Sie kam zu sp&amp;auml;t, verdr&amp;auml;ngte private W&amp;uuml;nsche und Ausgaben, belohnte findige Lobbyisten. Warum sollte es Ausnahmen von der Schuldenbremse abgesehen von Naturkatastrophen und Seuchen geben d&amp;uuml;rfen?&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		&amp;bdquo;Der Mops bewacht den Wurstschatz&amp;ldquo;: Ein &amp;bdquo;kooperatives Fr&amp;uuml;hwarnsystem&amp;ldquo; aus Bundes- und L&amp;auml;nderfinanzministern soll die Einhaltung der Schuldenbremse &amp;uuml;berwachen und Sanierungsprogramme beschlie&amp;szlig;en. Ursache der Dauerschuldnerei ist kein Einnahme-, sondern stets ein Ausgabenproblem &amp;ndash; die Staatseinnahmen steigen von Jahr zu Jahr &amp;ndash; von 1950: 10,7 Mrd. Euro auf 2009: 524 Mrd. Euro. Die Regierungen geben einfach mehr Geld aus als ihnen zur Verf&amp;uuml;gung steht. Wie sollen ausgerechnet Regierungsmitglieder dem Einhalt gebieten?&lt;/li&gt;
&lt;/ol&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;strong&gt;Alternative: Eine wirksame Schuldenbremse &lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	Eine wirksame Schuldenbremse muss jeden Politiker, dessen Entscheidungen&amp;nbsp; Staatsausgaben und Staatsverschuldung beeinflussen, in die Pflicht nehmen. Da es leicht f&amp;auml;llt, das Geld anderer Menschen zu &amp;bdquo;verjuxen&amp;ldquo; und Verschuldung l&amp;auml;ngst einer Droge gleicht, m&amp;uuml;ssen Sanktionen wieder den Verantwortungszusammenhang herstellen, der auch im privaten Bereich besteht.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;
&lt;li&gt;
		Offenkundig bieten sich Gehaltsabz&amp;uuml;ge von den Entscheidern an. Das ist auch in gestaffelter Form m&amp;ouml;glich: Neuverschuldung in H&amp;ouml;he von 1% des BIP f&amp;uuml;hrt zu einem automatischen Gehaltsverlust von 20%, 2% zu 40% und 3% zu 60%.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Eine Alternative w&amp;auml;re ein automatisches Wiederwahlverbot. Wird die vorgeschriebene Staatsverschuldung &amp;uuml;berschritten, d&amp;uuml;rfen sich die verantwortlichen Politiker nicht zur Wiederwahl stellen, z.B. f&amp;uuml;r eine Wahlperiode. Dieser Ansatz l&amp;auml;sst sich auch mit dem zuvor genannten verbinden.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Die dritte, h&amp;ouml;chst wirksame Schuldenbremse, ist der Wechsel vom schlechten Staatsgeld zu gutem Marktgeld. Das bedeutet, dem Staat das von ihm angema&amp;szlig;te Monopol samt der Privilegien f&amp;uuml;r Finanzinstitute zu entziehen und Geld (wieder) privat bereit zu stellen.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;
	Die Utopien von heute sind der Alltag von morgen. Eine wirksame Schuldenbremse w&amp;auml;re nicht zuletzt ein gro&amp;szlig;er sozialer Segen. Die Wirtschaft w&amp;uuml;rde viel st&amp;auml;rker den W&amp;uuml;nschen der Konsumenten folgen m&amp;uuml;ssen und nicht mehr organisierten Interessen. Regierungen k&amp;ouml;nnten die Marktwirtschaft nicht mehr in dem Ma&amp;szlig; pervertieren, wie das bisher der Fall ist. Das k&amp;auml;me gerade&amp;nbsp; weniger wohlhabenden Menschen zugute. Interventionismus und Verschuldung waren bekanntlich die Werkzeuge, mit denen in den siebziger Jahren das &amp;bdquo;Prekariat&amp;ldquo; geschaffen wurde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;em&gt;&lt;a href=&quot;http://michael.von.prollius.de/&quot;&gt;Dr. Michael von Prollius &lt;/a&gt;ist Senior Fellow des BMI. &lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
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     <category domain="http://www.berlinmanhattan.org/category/section/deutsche-politik">Deutsche Politik</category>
 <pubDate>Thu, 17 Feb 2011 10:08:21 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Wolfgang Müller</dc:creator>
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  <item>
    <title>Glasshouse Essay: Selten hat der Staat so hemmungslos Schulden gemacht</title>
    <link>http://www.berlinmanhattan.org/deutsche-politik/kommentare/glasshouse-essay-selten-hat-der-staat-so-hemmungslos-schulden-gemacht</link>
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              Autor:&amp;nbsp;&lt;/div&gt;
                    &lt;a href=&quot;/blog/autor/glasshouse-center-studies-free-economy&quot;&gt;Glasshouse Center for Studies on a Free Economy&lt;/a&gt;        &lt;/div&gt;
        &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;span class=&quot;Apple-style-span&quot; style=&quot;font-family: Arial; &quot;&gt;&lt;b&gt;Ist der Nachtragshaushalt der rot-gr&amp;uuml;nen Minderheitsregierung in NRW&amp;nbsp;&lt;/b&gt;&lt;b&gt;notwendig und verfassungskonform?&lt;/b&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	Am 16. Dezember 2010 hat der Landtag von Nordrhein-Westfalen mit den Stimmen der rotgr&amp;uuml;nen Minderheitsregierung und mehreren Stimmen der Partei &amp;sbquo;Die Linke&amp;rsquo; einen Nachtragshaushalt f&amp;uuml;r das Jahr 2010 beschlossen. Aus Sicht der Oppositionsparteien CDU und FDP sowie verschiedener Verb&amp;auml;nde und Institutionen wurde der deutschen Bev&amp;ouml;lkerung der Marsch in den Schuldenstaat selten zuvor so unverfroren als finanzpolitische Notwendigkeit und Investition in die Zukunft verkauft. In ihren Augen w&amp;auml;re eine Neuverschuldung in der geplanten Gr&amp;ouml;&amp;szlig;enordnung angesichts der positiven Entwicklung der Konjunkturdaten und der Steuereinnahmen vermeidbar gewesen. Zudem versto&amp;szlig;e die Landesregierung mit der H&amp;ouml;he der geplanten Neuverschuldung gegen die Verfassung, da sie die Kreditverfassungsgrenze um etwa 4,5 Mrd. Euro &amp;uuml;berschreite. &amp;bdquo;Die Nettoneuverschuldung halten wir in der jetzt vorgesehenen H&amp;ouml;he f&amp;uuml;r wirtschaftlich nicht notwendig. Dar&amp;uuml;ber hinaus halten wir sie auch f&amp;uuml;r verfassungswidrig&amp;ldquo;, so Georg Lampen, Vorsitzender des Bundes der Steuerzahler NRW, am 6. Dezember 2010 auf der &amp;ouml;ffentlichen Anh&amp;ouml;rung zur Erg&amp;auml;nzungsvorlage der rotgr&amp;uuml;nen Minderheitsregierung im D&amp;uuml;sseldorfer Landtag. Macht hier eine Landesregierung ihrer Bev&amp;ouml;lkerung vor, dass man es mit geltenden Gesetzen nicht so genau nehmen muss?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	(...)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;a href=&quot;/sites/default/files/uploads/u-4/Verschuldung_NRW_kl.pdf&quot;&gt;Der vollst&amp;auml;ndige Glasshouse-Essay steht Ihnen hier zum Download zur Verf&amp;uuml;gung:&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p style=&quot;margin: 0.0px 0.0px 0.0px 0.0px; font: 12.0px Arial&quot;&gt;
	&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;/sites/default/files/uploads/u-4/Verschuldung_NRW_kl.pdf&quot; style=&quot;width: 595px; height: 842px; &quot; /&gt;&lt;/p&gt;
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     <category domain="http://www.berlinmanhattan.org/category/section/deutsche-politik">Deutsche Politik</category>
 <pubDate>Sun, 16 Jan 2011 14:13:29 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Wolfgang Müller</dc:creator>
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  </item>
  <item>
    <title>Scheinliberale – die große Gefahr für die Freiheit</title>
    <link>http://www.berlinmanhattan.org/globale-themen/kommentare/scheinliberale-%E2%80%93-die-gro%C3%9Fe-gefahr-f%C3%BCr-die-freiheit</link>
    <description>&lt;div class=&quot;field field-type-nodereference field-field-author&quot;&gt;
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              Autor:&amp;nbsp;&lt;/div&gt;
                    &lt;a href=&quot;/blog/autor/dr-michael-von-prollius&quot;&gt;Dr. Michael von Prollius&lt;/a&gt;        &lt;/div&gt;
        &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
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                    &lt;a href=&quot;/globale-themen/kommentare/scheinliberale-%E2%80%93-die-gro%C3%9Fe-gefahr-f%C3%BCr-die-freiheit&quot; class=&quot;imagecache imagecache-page-content imagecache-linked imagecache-page-content_linked&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://www.berlinmanhattan.org/sites/default/files/imagecache/page-content/commentary/michelvonprolliusbw.jpg&quot; alt=&quot;&quot; title=&quot;&quot;  class=&quot;imagecache imagecache-page-content&quot; width=&quot;164&quot; height=&quot;198&quot; /&gt;&lt;/a&gt;        &lt;/div&gt;
        &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;
	Ein Sprichwort sagt, man m&amp;uuml;sse sich weniger vor seinen Feinden f&amp;uuml;rchten als vor falschen Freunden, insbesondere vor denen, die eine gemeinsame Sache nur halbherzig verteidigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	F&amp;uuml;r die Freunde der Freiheit droht demnach gro&amp;szlig;e Gefahr weniger von sozialdemokratischen Bef&amp;uuml;rwortern einer gelenkten Gesellschaft, sondern vielmehr von Scheinliberalen. Mit Scheinliberalen verh&amp;auml;lt es sich wie mit Herrn Tur Tur, dem Scheinriesen aus dem M&amp;auml;rchen &amp;bdquo;Jim Knopf und Lukas der Lokomotivf&amp;uuml;hrer&amp;ldquo;. Herr Tur Tur wirkt aus der Ferne wie ein Riese. Je mehr man sich ihm n&amp;auml;hert, desto st&amp;auml;rker schrumpft er auf seine tats&amp;auml;chliche, recht durchschnittliche Gr&amp;ouml;&amp;szlig;e zusammen. Scheinliberale klingen so, als w&amp;uuml;rden sie freiheitliche Positionen vertreten. Sobald man allerdings &amp;uuml;ber ihre Aussagen nachdenkt, fallen mangelnde Prinzipientreue und Konsequenz auf. In der bundesdeutschen Politik sind Scheinliberale sehr pr&amp;auml;sent. Denken Sie an die Durchhalteparolen und das maskenhafte Muntersein der F&amp;uuml;hrungscrew einer Partei oder an Vertreter gro&amp;szlig;er Unternehmen und Wirtschaftsverb&amp;auml;nde. F&amp;uuml;r die praktizierte Politik wie die Programmatik gilt von der Au&amp;szlig;en- &amp;uuml;ber die Gesundheits- bis zur Wirtschaftspolitik: viel Scheinheiligkeit, wenig freiheitliche Substanz.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	Die Gefahren, die von einem scheinheiligen Liberalismus ausgehen, werden heute drastisch untersch&amp;auml;tzt. Zwei Entwicklungen sind besonders bedrohlich: Erstens verwechseln Menschen wahre liberale Positionen mit dem sozial-demokratischen Gemurkse, das ihnen tagt&amp;auml;glich medial aufgetischt wird. Zweitens werden die unter einem liberalen Deckmantel praktizierten interventionistischen und Sonderinteressen beg&amp;uuml;nstigenden Praktiken dem Liberalismus zur Last gelegt. Die aktuelle Weltwirtschafts- und Schuldenkrise &amp;ndash; Folge einer Liberalisierung der Finanzm&amp;auml;rkte und gieriger Kapitalisten?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	Regelm&amp;auml;&amp;szlig;ig lohnt sich die Besch&amp;auml;ftigung mit Positionen aus einem gegnerischen Lager. Das gilt beispielsweise f&amp;uuml;r die Argumentation des scharfz&amp;uuml;ngigen konservativen Publizisten Armin Mohler (1920-2003), der mit seiner Schrift &amp;bdquo;Gegen die Liberalen&amp;ldquo; eine &amp;bdquo;fulminante Liberalenbeschimpfung&amp;ldquo; vorgelegt und die Unhaltbarkeit liberaler Positionen nachgewiesen haben soll.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	Tats&amp;auml;chlich ist &amp;bdquo;Gegen die Liberalen&amp;ldquo; eine recht passable Polemik, die sich eben gegen die &amp;uuml;berm&amp;auml;&amp;szlig;ig verbreitete Spezies der Scheinliberalen richtet, die zuweilen auch als Lifestyle-Liberale auf &amp;bdquo;Events&amp;ldquo; publikumswirksam auftreten. Insofern hat Armin Mohler recht, wenn er konstatiert: &amp;bdquo;Zum einen scheitert der Liberalismus als gesellschaftlicher Gesamtentwurf t&amp;auml;glich stets aufs neue, da reicht ein Blick aus dem Fenster.&amp;ldquo; Unrecht hat er aber, wenn er das Scheitern dem Liberalismus und nicht den Scheinliberalen anlastet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	Es lohnt sich seine Kernargumente kurz zu betrachten, zumal diese weit verbreitet sind:&lt;/p&gt;
&lt;ol&gt;
&lt;li&gt;
		Die These, eine liberale Gesellschaft zehre von konservativen Werten, sitzt dem verbreiteten Vorurteil auf, eine liberale Ordnung sei werte- und traditionslos.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Der Vorwurf, Liberale seien wirklichkeitsfremd, hat den argumentativen Charme eines &amp;bdquo;Das haben wir schon immer so gemacht!&amp;ldquo;. Bekanntlich sind Utopien von heute vielfach Realit&amp;auml;ten von morgen.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Albern wird es allerdings, wenn Armin Mohler argumentiert, &amp;bdquo;das Individuum gibt es gar nicht. Es ist eine Erfindung&amp;ldquo;. Diese Utopie konnten nicht einmal die Nationalsozialisten, geschweige denn die Sozialisten in Moskau verwirklichen. Auch &amp;bdquo;Gender-Mainstreamer&amp;ldquo; und Gleichstellungsfanatiker werden zwangsl&amp;auml;ufig an unserer Individualit&amp;auml;t scheitern.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Treffend ist die Reduktion des Liberalismus auf eine blo&amp;szlig;e Absichtserkl&amp;auml;rung durch einen Menschenschlag, der sich allerdings lediglich selbst liberal nennt, ohne es zu sein.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Die immer wieder behauptete mangelhafte Verwurzelung des Liberalismus in Deutschland hat Ralph Raico mit seiner gl&amp;auml;nzenden Studie &amp;bdquo;Die Partei der Freiheit&amp;ldquo; als Mythos entlarvt.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Die st&amp;auml;ndige Wiederholung, wir w&amp;uuml;rden in einer liberalen Gesellschaft leben, ist angesichts der allgegenw&amp;auml;rtigen Dominanz sozialdemokratischer Politiker, sozialer Korrektheit und Gerechtigkeit leider nur ein Zerrbild.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;
		Mangels belastbarer Argumente fl&amp;uuml;chtet Armin Mohler schlie&amp;szlig;lich in kontra-faktische Schm&amp;auml;hungen, etwa wenn Liberale mit &amp;bdquo;Erregung von Ekel&amp;ldquo; und &amp;bdquo;Egalitarismus&amp;ldquo; eine Kulturrevolution angezettelt haben sollen.&lt;/li&gt;
&lt;/ol&gt;
&lt;p&gt;
	Ungewollt treffend bringt Martin Lichtmesz im Nachwort der Schrift die geradezu zeitlos aktuelle Lage auf den Punkt: &amp;bdquo;heute ist der Linke von Liberalen kaum mehr zu unterscheiden und umgekehrt.&amp;ldquo;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	Was bleibt zu tun? Es ist eine Frage der politischen und philosophischen Hygiene, Scheinliberale als das zu entlarven, was sie sind: eine gro&amp;szlig;e Gefahr f&amp;uuml;r die Freiheit. &amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;a href=&quot;/sites/default/files/uploads/u-4/BMI_Kommentar_2011.01.17_-_Scheinliberale_MvP.pdf&quot;&gt;Link zum Text in pdf&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
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     <category domain="http://www.berlinmanhattan.org/category/project/globale-themen">Globale Themen</category>
 <pubDate>Sat, 15 Jan 2011 22:36:46 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Wolfgang Müller</dc:creator>
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    <title>In drei Zügen Staatsbankrott</title>
    <link>http://www.berlinmanhattan.org/eu-politik/kommentare/Blankart_Charles_In-drei-z%C3%BCgen-staatsbankrott</link>
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        &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;span class=&quot;Apple-style-span&quot;&gt;&amp;Uuml;berschuldung, Geldillusion und Bankrott. Um diese Abfolge zu stoppen, braucht es unabh&amp;auml;ngige Notenbanken. Doch was ist, wenn sie nicht unabh&amp;auml;ngig sein wollen?&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;span&gt;von Charles B. Blankart&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;span&gt;Staatsbankrotte sind so alt wie Staaten. Es gab sie im R&amp;ouml;merreich seit Kaiser Diokletian, im Absolutismus unter Philipp II. von Spanien als Folge der Armada- Expedition, nach Ludwig XIV. von Frankreich infolge von John Laws Papiergeldinflation, unter der Franz&amp;ouml;sischen Revolution durch die Assignatenw&amp;auml;hrung, in Deutschland 1923 und 1948 nach verlorenen Weltkriegen, heute in Simbabwe als Folge einer Inflation von &amp;uuml;ber 100 000%, j&amp;uuml;ngst in Griechenland und, wer weiss, vielleicht in Staaten wie Spanien, Portugal und Italien wegen besch&amp;auml;digter Kreditw&amp;uuml;rdigkeit. Staatsbankrotte sind in ihrem ganzen Vertragsgeflecht komplex, stellen sich aber sehr viel einfacher dar, wenn beim Standardmodell des klassischen souver&amp;auml;nen Staates angesetzt wird. Wirtschaftet er &amp;uuml;ber seine Verh&amp;auml;ltnisse, wird der Staatsbankrott unausweichlich. Drei Schritte gen&amp;uuml;gen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;span&gt;Der erste ergibt sich aus hochm&amp;uuml;tigen Ausgabenvorhaben, die die Steuerkraft &amp;uuml;bersteigen und &amp;uuml;ber Schulden finanziert werden. Es entsteht ein Schuldenberg, der nicht nachhaltig ist. Um zweitens der mit der Verschuldung steigenden Zinslast zu entgehen, weist die Regierung die Zentralbank an, ihr die Anleihen, die sie auf dem Markt nicht unterbringen kann, durch Geldsch&amp;ouml;pfung abzukaufen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;span&gt;&lt;b&gt;Stabilit&amp;auml;tspakt durchl&amp;ouml;chert&lt;/b&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;span&gt;Die daraus entstehende Geldillusion ist zwar nicht von Dauer, denn die Investoren werden h&amp;ouml;here Zinsen fordern. Auch die Verschuldung in Devisen bringt wenig, weil die Investoren das Kursrisiko einpreisen. Nur, und das ist der Punkt: Der Prozess der entschwindenden Geldillusion kann mehr oder weniger lang dauern. In einer Rezession kann die Zentralbank durch Aufkauf der Staatsanleihen die Geldmenge ausdehnen, ohne dass es direkt zur Inflation kommt. In der Hochkonjunktur ist das weniger m&amp;ouml;glich.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;span&gt;Drittens: Auf die Dauer l&amp;auml;sst sich die Stunde der Wahrheit nicht hinausschieben. Das Risiko steigt f&amp;uuml;r die Gl&amp;auml;ubiger so stark, dass kein noch so hoher Zins die Gefahr des Totalverlusts mehr kompensieren kann. Der Neuzufluss versiegt, und auch die Refinanzierungsm&amp;ouml;glichkeit f&amp;auml;llt dahin. Der Staat ist kreditrationiert, zahlungsunf&amp;auml;hig und damit bankrott.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;span&gt;Schon fr&amp;uuml;h hatten weitsichtige Politiker die fatale Rolle erkannt, die Zentralbanken in diesem Prozess von &amp;Uuml;berschuldung, Geldsch&amp;ouml;pfung, Intransparenz, Schuldenillusion und schliesslich Staatsbankrott spielen. Reformen sollten daher hier ansetzen. Als erster Reformversuch kann der Vertrag von Bretton Woods gelten, in dem die Regierungen versuchten, eine stabile Weltw&amp;auml;hrungsordnung f&amp;uuml;r die Zeit nach dem ZweitenWeltkrieg zu errichten. In einer Art Kartell vereinbarten sie grunds&amp;auml;tzlich feste Wechselkurse. Dazu sollten alle Staaten ungef&amp;auml;hr die gleiche Finanz- und Geldpolitik betreiben. Das ging eine Zeit lang gut. Auf die Dauer hielt die Wirklichkeit den Anspr&amp;uuml;chen aber nicht stand. Das System brach unter dem Druck nationaler Alleing&amp;auml;nge zusammen &amp;ndash; aus dem Kartell der W&amp;auml;hrungen entstand ein W&amp;auml;hrungswettbewerb mit flexiblen Wechselkursen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;span&gt;Daraus zogen die Staaten ungleichen Nutzen. Schlechter schnitten die ab, deren Zentralbanken Abteilungen der Zentralregierung waren und wie dargelegt immer wieder die staatliche Schuldenpolitik unterst&amp;uuml;tzen mussten. Andere Staaten wie Deutschland und die Schweiz schufen oder hatten schon unabh&amp;auml;ngige Zentralbanken, die sich den W&amp;auml;hrungswettbewerb zunutze machten und ihren Marktanteil stetig ausdehnten.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;span&gt;In der EU entstand die Idee, das offenbar so erfolgreiche Modell Deutschlands zur Blaupause f&amp;uuml;r den neu zu schaffenden Euro zu verwenden. Die Deutschen, die mehr widerwillig als euphorisch die D-Mark preisgaben, stellten drei Bedingungen: Die neue Zentralbank sollte politikunabh&amp;auml;ngig sein und sich ganz dem Ziel der Preisstabilit&amp;auml;t verschreiben. Staaten in Finanznot sollten sich selbst helfen. Es sollte keinen gemeinsamen Notfallfonds geben, sondern das No-Bailout-Prinzip gelten. Und: Es sollten im Eurostabilit&amp;auml;tspakt alle Staaten gemeinsam darauf achten, ihre nationalen Haushalte auszugleichen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;span&gt;Die Rechnung der Deutschen sollte jedoch nicht aufgehen. Denn keine der drei Bedingungen war durch Sanktionen abgesichert. Als Erstes fiel der Eurostabilit&amp;auml;tspakt. Die Maastricht-Kriterien wurden am Br&amp;uuml;sseler Gipfel 2005 mit so vielen Ausnahmen durchl&amp;ouml;chert, dass der Pakt fast nicht mehr existiert. Dieses Jahr werden gerade noch sieben der sechzehn Eurostaaten das Maastricht-Kriterium der Neuverschuldungsgrenze von 3% des BIP befolgen. Zweitens kippte die EU-Kommission im Fall Griechenlands die No- Bailout-Klausel. Statt eine Umschuldung im daf&amp;uuml;r zust&amp;auml;ndigen und bew&amp;auml;hrten Londoner Club der Gl&amp;auml;ubigerbanken zuzulassen und damit einen Machtverlust im Euroraum hinzunehmen, setzte sie (Euro-intern) eine um ein Vielfaches teurere, vertragswidrige Schuldenausl&amp;ouml;sung durch. Auch im Widerspruch zum Vertrag steht der vom Rat diesen Mai beschlossene Notfallfonds von 750 Mrd. &amp;euro;. Immerhin sollten in diesen beiden F&amp;auml;llen Hilfskredite nur unter strikten Auflagen vergeben werden.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;span&gt;Am erstaunlichsten ist aber die Preisgabe des Grundsatzes der Unabh&amp;auml;ngigkeit der Zentralbank, die ohne Not erfolgte. Am selben Gipfel verk&amp;uuml;ndete der Pr&amp;auml;sident der Europ&amp;auml;ischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, notleidende Staatsanleihen ohne jede Auflage an die abgebenden Staaten aufzukaufen, was in der Folge reichlich geschah. Er konterkarierte so die Bem&amp;uuml;hungen der Kommission, Zahlungen nur gegen Auflagen zu gew&amp;auml;hren, und machte sich damit zum Objekt partikul&amp;auml;rer Interessen von Defizitstaaten und Banken, die deren Anleihen halten.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;span&gt;&lt;b&gt;EZB-Regeln reformieren&lt;/b&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;span&gt;Wie ist das m&amp;ouml;glich? Warum scheinen sich wieder die Schw&amp;auml;chen des einstigen Standardmodells durchzusetzen? Die Wurzeln liegen im System. Unter dem wettbewerblichen W&amp;auml;hrungssystem der D-Mark war es unausweichlich, dass formale Unabh&amp;auml;ngigkeit der Zentralbank auch Interessenunabh&amp;auml;ngigkeit einschloss. Unter dem Euro ist der Wettbewerb nicht mehr so intensiv. Die EZB hat einen grossen Marktanteil und die Macht, gelegentlich auch Sonderinteressen zu bedienen. Eine Rechenschaftspflicht besteht kaum.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;span&gt;Tats&amp;auml;chlich wurde gezeigt, dass die EZB die Zentralbank mit der weltweit gr&amp;ouml;ssten Unabh&amp;auml;ngigkeit und der geringsten Rechenschaftspflicht ist. Wenn Staaten wie Malta im EZB-Rat gleich viele Stimmen haben wie Deutschland, so bindet das den Pr&amp;auml;sidenten nicht. Er kann tun und lassen, was er will. In der kommenden Reform sollten daher die Stimmengewichte neu verteilt werden. So wie New York als einziger Bezirk einen st&amp;auml;ndigen Sitz im Offenmarktausschuss des Fed hat, sollten auch Deutschland und die anderen grossen Eurostaaten einen st&amp;auml;rkeren Einfluss auf die Geldpolitik erhalten.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
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     <category domain="http://www.berlinmanhattan.org/category/section/eu-politik">EU-Politik</category>
 <pubDate>Fri, 22 Oct 2010 12:37:50 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Wolfgang Müller</dc:creator>
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    <title>Wie man einen lästigen Wettbewerber loswird</title>
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        &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;
	&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;span&gt;Ein neues Gesetz bremst die Importe von billigen Medikamenten aus dem Ausland. Dabei sollte es eigentlich f&amp;uuml;r sinkende Preise sorgen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	von Prof. Dr. Charles B. Blankart&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;span&gt;Deutschland hat bislang ein recht kluges Preissystem f&amp;uuml;r patentgesch&amp;uuml;tzte Arzneimittel. Aber die neuen Pl&amp;auml;ne der Regierung enthalten zwei Fehler, die dieses System bedrohen. Bisher sind die Anbieter weitgehend frei in ihrer Preissetzung. Sie sollen in der Lage sein, Gewinne zu erzielen, Forschung zu finanzieren und so neue Produkte zu entwickeln. Zum anderen soll europaweite Arbitrage daf&amp;uuml;r sorgen, dass die deutschen Preise nicht in den Himmel wachsen: Werden die in Deutschland angebotenen Produkte in einem anderen EU-Staat billiger angeboten, so ist es Parallelimporteuren erlaubt, diese dort zu kaufen und sie auf dem deutschen Markt weiterzuverkaufen. Mittlerweile umfasst der Parallelimport 25 Prozent der patentgesch&amp;uuml;tzten Produkte und stellt daher einen nicht zu vernachl&amp;auml;ssigenden Wettbewerbsfaktor dar.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;span&gt;Die deutschen Gesundheitspolitiker sind damit aber nicht zufrieden. Sie m&amp;ouml;chten den Pharmapreisen einen zus&amp;auml;tzlichen Deckel aufdr&amp;uuml;cken. Schon seit Anfang August 2010 soll ein Rabatt von 16 Prozent zwangsweise gew&amp;auml;hrt werden. Einen Nachlass von dieser Pflicht erhalten jene, die ihre Preise schon vor dem 1. August senkten. Sie sollen nicht zweimal getroffen werden. &amp;Uuml;bersehen wurde dabei, dass in den Genuss des Nachlasses auch jene gelangen, die ihre Preise zum Beispiel im Juli angehoben und dann bis zum Ende des Monats wieder gesenkt haben. F&amp;uuml;r sie l&amp;auml;uft der Zwangsrabatt weitgehend ins Leere. F&amp;uuml;r das Gesundheitsministerium stellt diese Umgehung eine peinliche Gesetzesl&amp;uuml;cke dar, die eine Nachbesserung des Gesetzes unabdingbar macht.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;span&gt;Eine Nachbesserung dr&amp;auml;ngt sich aber auch aus einem anderen, viel gewichtigeren Grund auf: Erweist sich der beabsichtigte Preisdeckel als wirksam, so schrumpfen die Margen und damit auch die Wirkungsm&amp;ouml;glichkeiten der Parallelimporteure. Dagegen ist zun&amp;auml;chst nichts einzuwenden: Der Gesundheitsminister hat sich eben daf&amp;uuml;r entschieden, den Preisdruck auf die Pharmaprodukte nicht mehr indirekt durch Parallelimporteure, sondern direkt durch administrative Zwangsrabatte auszu&amp;uuml;ben. &amp;bdquo;Check out the middleman&amp;ldquo;, sagten schon die Gr&amp;uuml;nder des britischen National Health Service vor 60 Jahren.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;span&gt;Die Parallelimporteure m&amp;uuml;ssen wegen des neuen Gesetzes also mit schrumpfenden Margen rechnen. Sie tragen daher wirtschaftlich besehen die Deckelung von 16 Prozent, die der Gesundheitsminister von der Pharmaindustrie fordert, bereits mit. Und jetzt kommt der zweite Fehler in den Pl&amp;auml;nen der Regierung: Das Gesetz sieht vor, dass die Parallelimporteure unabh&amp;auml;ngig vom Zwangsrabatt, den die Pharmaindustrie zu gew&amp;auml;hren hat, auch noch einmal 16 Prozent Rabatt leisten m&amp;uuml;ssen. Damit w&amp;auml;ren sie doppelt belastet &amp;ndash; und das hat keinen Sinn.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;span&gt;Hier noch einmal die Schritte im Detail: Die Zwangsrabatte senken den Marktpreis. Die Parallelimporteure m&amp;uuml;ssen sich daran anpassen. Ihnen dann noch einmal 16 Prozent Nachlass zu verordnen, l&amp;auml;uft darauf hinaus, dem schon geschw&amp;auml;chten K&amp;auml;mpfer den Gnadensto&amp;szlig; zu versetzen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;span&gt;Und wer freut sich dar&amp;uuml;ber? Die etablierte Pharmaindustrie. Sie nimmt den Zwangsrabatt gelassen, lehnt sich zur&amp;uuml;ck und sagt: &amp;bdquo;Da wollen wir erst mal sehen und aus unseren reichen Erfahrungen im Umgang mit dem Gesetzgeber sch&amp;ouml;pfen.&amp;ldquo; In kurzer Zeit entdeckte sie die oben angef&amp;uuml;hrte Umgehungsm&amp;ouml;glichkeit der Zwangsrabatte. Welche weiteren Tricks werden folgen? Je l&amp;ouml;chriger das Gesetz des Gesundheitsministers sich erweist, desto weniger Preisnachl&amp;auml;sse muss die Pharmaindustrie faktisch gew&amp;auml;hren.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;span&gt;Umso wichtiger w&amp;auml;re es, dass die Parallelimporteure ihre preisd&amp;auml;mpfende Funktion aus&amp;uuml;ben. Sie w&amp;uuml;rden den Schaden der (letztlich nie ganz vermeidbaren) Gesetzesl&amp;uuml;cken begrenzen. Doch wenn die Parallelimporteure zus&amp;auml;tzlich den Zwangsrabatt gew&amp;auml;hren m&amp;uuml;ssen (weil sie formaljuristisch als Hersteller und nicht als H&amp;auml;ndler betrachtet werden), haben sie dazu keine Chance.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;span&gt;Die&lt;span class=&quot;Apple-tab-span&quot;&gt; &lt;/span&gt;etablierten Pharmaproduzenten freuen sich. Ihnen war die Arbitrage der Parallelimporteure stets ein Dorn im Auge. Doch vor dem Europ&amp;auml;ischen Gerichtshof sind sie mit einer Klage dagegen abgeblitzt. Welch gute F&amp;uuml;gung also, dass der deutsche Gesetzgeber den Parallelimporteuren durch die Rabattgesetzgebung den Garaus machen will, sagen sie sich.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&lt;span&gt;Fazit: Wenn der Gesetzgeber die Pharmapreise durch Zwangsrabatte senken will, so sollte er die Parallelimporteure nicht ausschalten, sondern f&amp;uuml;r seine eigenen Ziele einsetzen. Hierzu muss er sie vom Zwangsrabatt befreien. Dann &amp;ndash; und nur dann &amp;ndash; werden sie in genau den Schlupfl&amp;ouml;chern aktiv, durch die die etablierte Pharmaindustrie dem Gesetz des Gesundheitsministers zu entfliehen sucht. Unterl&amp;auml;sst er das, werden die Parallelimporteure aus dem Markt gedr&amp;auml;ngt, der Wettbewerb geht zur&amp;uuml;ck, die Preise steigen und die etablierte Pharmaindustrie freut sich.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
	&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
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     <category domain="http://www.berlinmanhattan.org/category/section/deutsche-politik">Deutsche Politik</category>
 <pubDate>Thu, 21 Oct 2010 23:18:04 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Wolfgang Müller</dc:creator>
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